ABWASSERZWECKVERBAND

"OBERES ZSCHOPAU- UND SEHMATAL"

25 Jahre Abwasserzweckverband Oberes Zschopau- und Sehmatal

 

Vor 25 Jahren am 02.05.1991 trafen sich im Ratssaal des Annaberger Rathauses 16 Bürgermeister des Altlandkreises Annaberg zu einer gemeinsamen Beratung.

Hauptgesprächsthema der Versammlung war der zukünftige Auf- und Ausbau einer öffentlichen Abwasserbeseitigung innerhalb der von Ihnen vertretenen Städte und Gemeinden. Mit der stattgefundenen Wende in Deutschland war die Errichtung und der Betrieb der öffentlichen Abwasserbeseitigung auch den Gemeinden in den neuen Bundesländern als kommunale Pflichtaufgabe auferlegt worden.

Gemeindeübergreifend war man sich einig, diese anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam lösen zu können. Insbesondere deshalb, da der Nachholbedarf auf diesem Gebiet sehr hoch war, bzw. mit erheblichen Investitionskostenaufwendungen bei der Errichtung öffentlicher Abwasseranlagen gerechnet werden musste.

Als logische Folge dieser Überlegungen entstand so bereits 1991 der Abwasserzweckverband Oberes Zschopau- und Sehmatal.

Seit der Gründungsversammlung im Jahr 1991 sind nunmehr fast 25 Jahre vergangen. Zeit, in der sich das Gesicht unserer Städte und Gemeinden geändert hat, Zeit in denen im Verbandsgebiet über 140 Mio. € in die Errichtung öffentlicher Abwasseranlagen geflossen sind. Das Besondere daran -im Gegensatz zu neuen Straßen, Schulen oder Wohngebäuden- ist vom investierten Kapital in die Abwasserbeseitigung nur noch wenig zu sehen. Geschuldet ist dieser Umstand der Tatsache, dass für die Einsammlung und Ableitung des anfallenden Abwassers ein umfangreiches erdverlegtes Kanalnetz notwendig ist. Innerhalb des AZV sind dabei ca. 420km Kanal zu betreuen. Die vorhandenen Dimensionen reichen dabei von kleinen Durchmessern mit 15cm bis hin zu großen Kreisprofilen mit Durchmesser von 1,60m.

Zeitlich parallel zum Ausbau der Kanalnetze vollzog sich die Neuerrichtung dem Stand der Technik entsprechender Kläranlagen. Waren 1991 innerhalb des Verbandsgebietes ganze 3 öffentliche vollbiologische Kläranlagen mit einer Behandlungskapazität von rund 1500 Einwohnerwerten vorhanden, sind dies zum Jahresende 2015 insgesamt 14, mit einer Gesamtkapazität von 110.000 Einwohnerwerten. Davon sind jedoch allein ca. 60.000 Einwohnerwerte industriellen Ursprungs, d.h. werden durch die Abwassereinleitung industriell-gewerblicher Anschlussnehmer gebunden.

Als größte Kläranlage betreibt der Verband die ZKA Schönfeld im gleichlautenden Ortsteil der Gemeinde Thermalbad Wiesenbad. Sie besitzt eine Ausbaugröße von 99.350 Einwohnerwerten, und enthält alle Bestandteile einer modernen Kläranlage. Neben der Behandlung der anfallenden kommunalen Abwässer wird auf der Kläranlage auch das anfallende gewerbliche Abwasser des größten Industriekunden der Schönfelder Papierfabrik GmbH behandelt. Die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an die Einleitung ins Gewässer bei möglichst geringen Betriebsaufwendungen stehen dabei als permanente Herausforderung und Aufgabe.   

Zur wirtschaftlichen Verwertung der anfallenden Klärschlämme werden diese vor der thermischen Verwertung im Schlammfaulturm ausgefault. Mit dem entstandenen Klärgas erzeugen vorhandene BHKW`s eine jährliche Strommenge von ca. 660.000kWh, die im laufenden Kläranlagenbetrieb verbraucht wird, und damit den Strombezug aus dem örtlichen Stromnetz minimiert. Die anfallende Wärme wird ebenfalls genutzt, und dient der  Aufheizung des Schlammfaulturms auf konstant 36Grad.

Die in den vergangenen 2 ½ Jahrzehnten getätigten Investitionen in die öffentliche Abwasserentsorgung führten bis Ende 2015 zu einem Anschlussgrad von rund 90%. Konkret bedeutet das, dass ca. 90% aller innerhalb des Verbandsgebietes lebenden Einwohner ihre Abwässer öffentlichen Kläranlagen mit vollbiologischer Reinigung zuführen. Lediglich ca. 10% müssen zur Abwasserreinigung eine private Kleinkläranlage betreiben.

Der öffentliche Anschlussgrad hätte durchaus noch etwas höher sein können. Leider vollzog der Freistaat Sachsen mit Änderung der Förderpolitik 2007 eine gravierende Zäsur. Während ab diesem Zeitpunkt die Errichtung öffentlicher Abwasseranlagen nur noch mit 200€/Einwohner gefördert wurde, was einem durchschnittlichen Fördersatz von 10-20% bei Kanalbaumaßnahmen ergab (vorher 60-75%), wurde die Errichtung privater Kleinkläranlagen mit 1.500,-€ für 4 EW bezuschusst.

In Anbetracht der bereits vorhandenen Verbindlichkeiten war der Verband dadurch gezwungen, sein Abwasserbeseitigungskonzept unter diesen neuen Förderprämissen zu überarbeiten, mit der Konsequenz, dass Teile der ehemals für eine öffentliche Abwasserentsorgung vorgesehenen Gebiete nunmehr dezentral entsorgt werden müssen. Insbesondere in solchen Bereichen wie z.B. dem Ortsteil Wiesa mit über 1000 Einwohnern -und damit 275 notwendigen privaten Kleinkläranlagen- erscheint der Sinn dieser vom Freistaat Sachsen getroffenen fördertechnischen Entscheidung wasserwirtschaftlich wohl eher fragwürdig.     

Vieles ist in den vergangenen 25 Jahren der Tätigkeit des AZV Oberes Zschopau- und Sehmatal entstanden. Am sichtbarsten ist das Ergebnis der Verbandstätigkeit wohl an unseren Gewässern. Waren diese bis 1989 fast durchgängig von einem grauen Belag des Abwasserpilzes, sowie einer äußerst geringen biologischen Vielfalt gekennzeichnet, können wir uns heute am klaren Wasser in der Zschopau- und Sehma mit grünen Algen und  Fischen erfreuen. Abwasserbehandlung war und ist ein wesentlicher Aspekt des Umweltschutzes und dient damit der Daseinsfürsorge unserer aber auch der kommenden Generationen.    

Sicher, die Investitionen in eine zeitgemäße Abwasserbehandlung waren hoch. Welchen Wert selbige jedoch haben kann man erst dann ermessen, wenn man einmal über den Tellerrand hinausschaut. Nach dem Weltwasserbericht der UNESCO 2012 fehlen 2,6 Milliarden Menschen auf dieser Welt jegliche sanitäre Anlagen. Infolge verunreinigten Trinkwassers wird die weltweite Zahl der jährlichen Sterbefälle auf ca. 3,4 Mio. Menschen geschätzt.

Diese Aspekte vor Augen, sollte auch weiterhin an einer dauerhaft stabilen, gleichzeitig jedoch wirtschaftlich und bezahlbaren Abwasserbehandlung festgehalten werden. Die von den Mitgliedsgemeinden gewählte Organisationsform innerhalb eines kommunalen Zweckverbandes, mit direkter Eingriffsmöglichkeit durch die gewählten Bürgervertreter bietet dazu eine gute Voraussetzung.